Mein Sansibar Pale Ale

Unsere Hochzeitsreise vor ein paar Jahren ging nach Tansania und Sansibar. Die goldenen Farben, die Aromen der exotischen Früchte und die berauschende Wildheit wollte ich in einem Bier einfangen. Nach drei Anläufen ist mir das auch geglückt – hier mein finales Rezept. Ich nenne es: Sansibar Pale Ale. Vom Typ kommt es einem Imperial Pale Ale am nächsten.

Ziel und Umsetzung

Das Ziel war ein starkes, ungemein fruchtiges Bier mit Aromen von Mango, Passionsfrucht und Melone. Vollmundig, aber nicht zu süß sollte es sein und dabei recht spritzig. Wichtig war mir auch, dass das Bier trotz all der sensorischen Wucht ein klares und definiertes Aroma hat.

Umgesetzt habe ich das über eine hohe Stammwürze, absurd hohe Hopfenmengen, Vorderwürzehopfung und Hopfenstopfen, eine IPA-untypische, aber sehr passende belgische Hefe, die das Hopfenaroma perfekt abrundet, ein mehrstufiges ansteigendes Maischverfahren mit dezidierter Maltoserast und eine hohe Rezenz. Ich habe mich absichtlich auf drei Malz- und drei Hopfensorten beschränkt.

Den Hauptguss habe ich mit 20g Braugips (ja, so viel!) versetzt, damit das knüppelharte Koblenzer Trinkwasser die Bittere nicht kratzig werden lässt und sich die Hopfenblume schön entfaltet.

Das Bier braucht aufgrund der hohen Stammwürze und Hopfenmenge ein bisschen mehr Zeit zum Gären (2+1 Wochen), selbst wenn die Hauptgärung (wie bei mir) sofort mit aller Kraft durchstartet. Dafür ist das Bier aber relativ schnell ausgereift (in 4 bis 5 Wochen). Danach ist es für ca. 5-6 Wochen haltbar, dann nimmt die Qualität ab.

Verkostung

Es ist nur ein bisschen dunkler als gewollt (eher bernsteinfarben statt goldgelb). Durch die 0°-Lagerung im CC-Keg und das Absaugen der Hefe ist es schön klar (sieht man auf dem Bild oben wegen des Kondenswassers am Glas nicht). Im Geruch kaum Zitrus und kaum Johannisbeere, aber ganz viel Papaya, Mango und Honigmelone. Im Antrunk sehr gefällig, die Fruchtnoten werden viel intensiver. Es prickelt sehr schön, aber nicht zu viel. Das Bier schmeckt erstaunlich weich und ist wirklich rund, die Bittere und Süße sind ausgewogen, den hohen Alkoholgehalt (über 7% Vol.) schmeckt man aufgrund des Fruchtaromas kaum. Trotz der gewaltigen Hopfenmenge und Stammwürze ist es sehr gut trinkbar, ein bisschen süffig ist es, aber nicht zu schwer und der Malzkörper bleibt angenehm im Hintergrund. Tritt der Alkoholgehalt beim Trinken noch kaum hervor, spürt man nach einem Glas aber, dass man hier etwas Potenteres als ein Kölsch vor sich hat.

Ich bin schon ein bisschen stolz. Das ist ab jetzt mein Lieblings-IPA (beziehungsweise SPA ;-)).

Eckdaten

Stammwürze 17° Plato
Bittere 90 IBU
Menge ca. 18 Liter (sämtlicher Bierschwand bereits abgezogen)
Alkoholgehalt irgendwas zwischen 7,2 und 7,5% Vol.
Rezenz 5,5g CO2/Liter

Zutaten

Wasser 20 Liter Hauptguss (50° C)
12 Liter Nachguss (78° C)
Malz 1 kg Carapils-Malz1 kg Pilsener Malz
3,5 kg Pale Ale Malz
Trockenmalzextrakt für Hefe-Anstellen und Karbonisierung
Hopfen 70 g El Dorado
55 g Mistral
55g Kazbek
Hefe  10 g Gozdawa Belgian Fruit and Spicy Ale Trockenhefe

Maischeführung

Einmaischen 50° C
Eiweißrast 55° C 15 Minuten
Maltoserast 64° C 30 Minuten
Verzuckerung 72° C 45 Minuten bis jodnormal
Abmaischen 78° C

Läutern, Kochen und Abseihen

Nach 20 Minuten Läuterruhe abläutern und nachgießen.

Vorderwürzehopfung mit 50 g  El Dorado.

80 Minuten Kochen.

Aromahopfung in den Whirlpool mit 20 g El Dorado, 15 g Mistral und 15 g Kazbek.

Vergären und Hopfenstopfen

Hefe rehydrieren und danach ggf. mit ein bisschen Trockenmalzextrakt sachte, aber bestimmt anfüttern.

Würze auf 22° C abkühlen, kräftig belüften, ggf. mit Wasser auf 17° Plato verdünnen und mit der Hefe anstellen.

2 Wochen bei ca. 20° C vergären.

Abfüllen in geschlossenes Soda-Keg, mit Trockenmalzextrakt auf 5,5 g Co2/Liter karbonisieren und in die Nachgärung 40 g Kazbek und 40 g Mistral zum Hopfenstopfen geben (ich habe ein Hopfensäcken benutzt). 1 Woche bei 20° C nachgären.

Reifung mit Hopfenstopfen für 4-5 Wochen bei um die 0° C.

Trinken

Nach der kurzen Reifezeit ist das Bier schon trinkbar und schmeckt ausgezeichnet! Ich habe es vom CC-Keg mit Gegendruckabfüller in 1-Liter-Flaschen abgefüllt, nachdem ich die Hefe vom Fassboden abgesaugt habe.

Mir schmeckt es in den folgenden 5-6 Wochen am besten. Danach verliert es allmählich seinen fruchtigen Charme, die Bittere wird immer aufdringlicher und die Hefe fängt an, sich unangenehm nach vorne zu drängen (selbst wenn es bei 0° C gelagert wird).

Also am besten Freunde einladen und zügig austrinken. Prost!

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